Thomas Mang:„Nachhaltigkeit schafft Zukunft“
13.05.2011 – Rede des Präsidenten des Sparkassenverbandes Niedersachsen Thomas Mang anlässlich des 2. Sparkassentages Niedersachsen am 13. Mai 2011 in Hannover
„Nachhaltigkeit schafft Zukunft“
Es gilt das gesprochene Wort.
Anrede
wir haben jetzt vieles zum Thema Wertesystem und Nachhaltigkeit gehört. Auch im Zentrum meines Vortrags steht das Thema Nachhaltigkeit. Wenn Sie sich jetzt vielleicht fragen, was das mit Sparkassen zu tun hat, dann sage ich Ihnen: Eine ganze Menge! Auch wenn der Begriff in der Forstwirtschaft seinen Ursprung hat, denken wir dabei an mehr als nur an Bäume und Wälder.
Es geht vor allem um langfristiges Denken und verantwortungsbewusstes Handeln! Nachhaltigkeit, zu der ja auch Umwelt und Klimaschutz gehören, hat einen hohen Stellenwert in der Politik und der Wirtschaft – aber ganz besonders bei den Menschen.
Als Verbraucher sind wir kritischer geworden. Wir hinterfragen heute zunehmend, welche Philosophie die Unternehmen vertreten. Dabei wünschen wir uns Marken, die sich für die Gesellschaft einsetzen – Marken, die fair sind. Auch für die Kreditwirtschaft gilt dieser Anspruch. Neu erfinden müssen sich die Sparkassen mit ihrer Geschäftspolitik allerdings nicht. Gehen wir einmal zurück zu unseren Wurzeln:
Jeder Mensch soll die Möglichkeit zur finanziellen Vorsorge haben!
Das war der Grundgedanke als vor 225 Jahren in Oldenburg die erste Sparkasse von engagierten Bürgern ins Leben gerufen wurde. Seit es sie gibt, arbeiten Sparkassen im Sinne der Wirtschaft, der Gesellschaft und des Gemeinwohls. Immer mit dem Ziel, die ökonomische Entwicklung und den Wohlstand auf lange Sicht zu unterstützen. Lassen Sie mich hierzu ein paar Meilensteine unserer Tradition nennen:
Im Zeitalter der Industrialisierung trugen die Sparkassen entscheidend dazu bei, dass möglichst viele Menschen auf dem Weg in die neue Zeit mitgenommen wurden. Sie sammelten die „Spargroschen“ der Bevölkerung. Denn Sparen ist die Basis für Investitionen, Wohlstand und Innovation.
Das Kapital stand für den privaten Wohnungsbau, für die Bautätigkeiten der öffentlichen Hand und auch für den Eisenbahnbau zur Verfügung. Die Wirtschaft wuchs – nicht zuletzt aufgrund des Engagements der Sparkassen. Diese Förderung des Wirtschaftswachstums – das gehörte und gehört zu unserem Auftrag.
Nach 1945 etwa leisteten wir Aufbauhilfe, indem wir die dafür gedachten öffentlichen Darlehen verwalteten und weiterleiteten. Die Menschen brauchten Zukunftsperspektiven, Sicherheit und die meisten vor allem ein neues Zuhause. Die Sparkassen finanzierten viele der neuen Wohnungen. Denken Sie an die Währungsreform im Juni 1948, mit der die D-Mark eingeführt wurde.
Dann kam das Wirtschaftswunder und dadurch erhöhten sich auch die Sparleistungen. Damit konnten die Sparkassen der wachsenden Kreditnachfrage der kleinen und mittleren Unternehmen, der privaten Haushalte und Kommunen nachkommen, um den aufkommenden Wohlstand weiter zu fördern und anhaltend zu sichern.
Sparkassen führten in den Sechzigerjahren den bargeldlosen Zahlungsverkehr für die breite Masse ein und waren so der Wegweiser von der Lohntüte zum laufenden Girokonto. Das ist auch die Grundlage für unseren heutigen Markterfolg, mit Marktanteilen von über 50 Prozent, ohne dass wir jemals Monopolist waren.
Nach der Wiedervereinigung halfen die Sparkassen in den neuen Bundesländern, eine leistungsfähige Kreditwirtschaft aufzubauen. Und das, obwohl die Sparkassen in der DDR schon totgesagt waren, denn sie galten als Teil des Systems. Aber die Menschen wollten lokale Banken. Die D-Mark als gesamtdeutsche Währung schaffte dann die Grundlage für unsere wirtschaftliche Einheit. Als die D-Mark 1990 eingeführt wurde, erhielten fast alle Menschen in den neuen Bundesländern das neue Geld an den Schaltern der Sparkassen.
Und auch die Euro-Einführung wäre ohne Sparkassen undenkbar gewesen. Pünktlich zum Jahreswechsel 2001/2002 waren unsere Geldautomaten flächendeckend mit den neuen Geldscheinen gefüllt. Wir haben, wie alle anderen, die gemeinsame Währung mit Euphorie begrüßt.
Heute wissen wir, dass eine gemeinsame Stabilitätskultur nicht allein über die Währung entsteht. Und wir erkennen einmal mehr, dass Rettungsschirme auf der einen Seite und Druck auf die Gläubiger auf der anderen Seite nicht miteinander vereinbar sind. Und wir müssen feststellen, dass der großzügige Verzicht der Deutschen auf europäische Spitzenämter falsch ist und uns auch nicht gedankt wird. Im Umkehrschluss muss man sich wundern, wie viele Spitzenämter aus den Staaten heraus besetzt werden, die uns den meisten Kummer bereiten.
Zurück zur Sparkassenidee. Wenn wir unsere Gedanken so über die Geschichte der Sparkassen schweifen lassen, dann stellen wir fest:
Sparkassen waren immer da, wenn es darum ging, die Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft langfristig zu meistern. Wir zeigen den Menschen, dass es sich lohnt, jetzt auf Geld zu verzichten, um im Alter etwas zu haben. Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt: er wird fair, gut, kompetent und vor allem ganzheitlich beraten. Seine Einlagen fließen in Form von Krediten an die Bevölkerung sowie die kleinen und mittleren Unternehmen zurück, und zwar in der Region. Unsere beständig hohen Kundeneinlagen ermöglichen vor allem die langfristige Vergabe von Krediten. Und das ermöglicht den Unternehmen, planbare Investitionen vorzunehmen, die die regionale Wirtschaft dauerhaft voranzubringen. Dies ist entscheidend für die Entwicklung der Wirtschaft vor Ort. Das Prinzip der Regionalität mit selbstständigen Sparkassen sorgt dafür, dass sich Sparkassen in ihrem Geschäftsgebiet dauerhaft engagieren. Wie hat es Helmut Schmidt einmal so schön formuliert: „Globalisierung nützt nichts, wenn´s zu Hause nicht funktioniert.“
Sparkassen in Niedersachsen und ihre Träger
Als wichtigste Finanzpartner der Städte, Gemeinden und Landkreise sorgen Sparkassen gemeinsam mit der NORD/LB und der Bremer Landesbank für eine solide Finanzausstattung der Kommunen. Die Trägerschaft der Kommunen schafft eine enge Vernetzung der wesentlichen Entscheidungsträger der Sparkassen mit den kommunalen Körperschaften. Die Sparkassen sind untrennbar mit der kommunalen Daseinsvorsorge verbunden. Dabei müssen wir uns oft sogar anhören, Sparkassen seien Staatsbanken. Aber das Gegenteil ist der Fall! Sparkassen sind ein Bestandteil der kommunalen Selbstverwaltung, die im Grundgesetz und in der niedersächsischen Verfassung garantiert ist. Das Zusammenwirken von Sparkassen und Kommunen führt zu einer enorm guten Kenntnis des Geschäftsgebietes und auch das dient dem langfristigen Nutzen der örtlichen Wirtschaft, und dieses auch in wirtschaftsschwachen Regionen!
Unser ausgeprägtes Filialnetz mit fast 1.200 Geschäftsstellen allein in Niedersachsen trägt sehr dazu bei, dass sich die Menschen mit uns verbunden fühlen. Denn es sorgt für Nähe. Unsere Kunden kennen uns und wir kennen unsere Kunden – in Bad Bederkesa oder Bad Sachsa, in Osnabrück oder Hannover. Sparkassen geben dem Bankgeschäft ein Gesicht. Unsere Kunden danken es uns mit ihrem Vertrauen.
Aber, meine Damen und Herren, der Begriff Kundennähe muss auch jetzt schon breiter definiert werden. Eine technisch schnelle und sichere Verfügbarkeit neuer Bankdienstleistungen über neue Technologien wird heute genauso hoch eingeschätzt wie das persönliche Gespräch. Aber eben nur additiv, nicht anstelle. Auch in Zeiten der Finanzkrise konnten wir die klein- und mittelständischen Unternehmen vor Ort ausreichend mit Krediten versorgen. Die Sparkassen haben wesentlich dazu beigetragen, dass eine Kreditklemme ausgeblieben ist und dass der Mittelstand so robust durch die Krise gekommen ist. In 2010 haben wir in Deutschland für über 64 Milliarden Euro neue Kredite an Unternehmen und Selbstständige zugesagt, davon 6,8 Milliarden Euro in Niedersachsen; das bedeutet für Niedersachsen eine Ausweitung um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 43 Prozent aller Kredite an deutsche Unternehmen kommen von Sparkassen oder Landesbanken.
Vertrauen gewinnt!
In einem nahen Verwandtschaftsverhältnis zur Nachhaltigkeit steht das Vertrauen der Kunden. Ein Banklehrling im ersten Ausbildungsjahr lernt: Kredit heißt Vertrauen. Heute sagen wir es oft so: Vertrauen ist die Währung des Bankgeschäfts. Nun ist das mit dem Vertrauen aber so eine Sache. Man bekommt es eben nicht geschenkt. Sondern muss es sich hart erarbeiten. Als in der Finanzkrise viele Menschen sehr viel Geld verloren haben, schlug den Banken jedoch erstmal etwas anderes entgegen: Misstrauen, Wut, Enttäuschung. Und ich muss sagen: In einigen Fällen zu Recht! Denn da gab es viele Banken, die den Reizen auf den internationalen Finanzmärkten erlegen sind, die den Blick für das ehrliche, reale und seriöse Bankgeschäft verloren hatten. Und Rendite wurde zum alleinigen Maßstab, auch bei den Ratingagenturen und einigen Vertretern der Wirtschaftspresse.
Viele Kreditinstitute hatten ihre dienende Funktion ersetzen wollen durch abstrakte, intelligent verpackte und modern kommunizierte Finanzprodukte, die eigentlich niemandem mehr dienten, außer denjenigen, die damit schnelles Geld verdienen konnten.
Ganze Volkswirtschaften gerieten dabei in eine Abhängigkeit von der Finanzbranche. Das einzige, was noch störte, war der Kunde. Um den sollten sich die Sparkassen und Volksbanken kümmern. Wohin das alles führte, mussten wir miterleben. Ein solches Chaos darf sich nicht wiederholen.
Heute wissen wir, dass unregulierte Märkte Risiken entstehen lassen, die die Stabilität ganzer Volkswirtschaften gefährden. Die Finanzwirtschaft braucht Grenzen und sie braucht Regeln. Wir wünschen uns dabei allerdings, dass die erkannten Fehlentwicklungen systematisch und zielgerichtet angegangen werden. Das können wir bisher in vielen Fällen nicht feststellen. Im Gegenteil: von den grundsätzlichen Zielen, sich bei der Regulierung auf besonders gefährliche Akteure an den Finanzmärkten und besonders intransparente Produkte zu fokussieren wurde sich weitgehend entfernt. Sicherlich hat es Fehler in allen drei Säulen unserer Bankenwelt gegeben. Aber ist es deswegen richtig, die Regulierung allen Banken und Sparkassen gleichermaßen aufzudrücken? Sicher nicht.
Sparkassen sind gelebter Verbraucherschutz
Lassen Sie mich das anhand des Verbraucherschutzes illustrieren. Verbraucherschutz klingt gut und das ist er auch. Sparkassen sind gelebter Verbraucherschutz – weil unsere Kunden und das Vertrauen, das sie in uns setzen, schon immer das Wichtigste in unserem Geschäftsmodell waren. Und daher sprechen wir uns auch weiterhin ausdrücklich für Verbraucherschutz aus. Aber nur im Sinne und nicht zu Lasten der Kunden. Vieles wird jetzt unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes durch Bürokratie und Formalismus kaputt gemacht. Viele Regeln des Verbraucherschutzes strangulieren geradezu diejenigen, die beraten wollen.
Der willkürlich aufgeworfene Dissens zwischen Beratung und Verkauf gehört dazu, ebenso viele Millionen Blatt Papier für Beratungsprotokolle. Selbst kleinste Geldanlagen werden zum komplizierten Wertpapiergeschäft erhoben. Wer soll da noch Freude an der Beratung haben? Erst Recht, wenn er in einer Beraterdatenbank erfasst wird. Die Hände reiben sich diejenigen Banken oder Finanzvermittler, die nicht beraten oder nicht kontrolliert werden. Dabei konnten wir doch erst vor kurzem lesen, dass die meisten Kunden auch nach der Finanzmarktkrise ein weitgehend intaktes Verhältnis zu ihrer Hausbank haben. Aber wenn Sie jeden Tag lesen, dass sie schlecht beraten werden – irgendwann glauben Sie es. Grundsätzlich aber gilt, dass das Vertrauensverhältnis dort am wenigsten belastet wurde, wo ein persönlicher Kontakt besteht. Diese Nähe zum Kunden ist der Anker im Geschäftsmodell der Sparkassen und Volksbanken. Die Verfechter eines stark regulierten Verbraucherschutzes scheinen aber eher große Fans der Direktbanken zu sein.
Überregulierung schadet den Sparkassen
Regulierung muss wohldosiert erfolgen. Das ist wie in der Medizin. Eine Überdosis ist schädlich! Aber wenn wir uns jetzt Basel III ansehen, dann stellen wir fest: Da werden nicht nur die Kranken behandelt, auch die Gesunden müssen bittere Pillen schlucken. Grundsätzlich ist Basel III als Heilmittel geeignet: Die neuen Eigenkapitalregeln können und sollen eine Richtschnur sein, um künftige Krisen zu beherrschen. Doch bei der Umsetzung in europäisches Recht, die ja noch aussteht, sollte zunächst auf die großen, systemrelevanten Banken geschaut werden. So steht es auch in der Präambel von Basel III. Stattdessen geht man jetzt auch auf die Sparkassen und Volksbanken los. Werfen wir mal einen Blick auf die USA: Hier wurde noch nicht einmal Basel II umgesetzt. In Europa soll es jetzt aber überall bereits Basel III sein.
Wir wissen, dass die USA Basel III auch nur für eine Handvoll Banken umsetzen werden. Die dort einheimischen Retail-Banken, die auch nicht international tätig sind, werden, wie ich finde, vernünftigerweise ausgenommen. Sie stellen auch kein systemisches Risiko dar.
Wenn wir in Europa beispielsweise auf die deutschen Besonderheiten in der Wirtschaftsstruktur hinweisen, geht der Blick entnervt zur Decke. Aber es gibt sie nun mal, diese besondere Wirtschaftsstruktur, die auch dazu geführt hat, dass wir sehr gut durch die Krise gekommen sind, wie uns Herr Präsident Sarkozy erst kürzlich mit hoher Anerkennung attestierte. Daher, meine Damen und Herren, auch an die Adresse eines anderen Franzosen, Dominique Strauss-Kahn vom IWF, gerichtet: Ich gebe zu, dass der deutsche Bankensektor etwas komplizierter scheint – aber, lieber IWF, er ist stabiler und besser! Sparkassen und Volksbanken haben dazu beigetragen, dass jeder die kreditwirtschaftlichen Leistungen bekam, die er brauchte. Wir fordern ja nicht, dass der öffentlich-rechtliche Sektor von der Regulierung ausgenommen wird. Aber was spricht dagegen, die Regulierung abzustufen?
Der Maßstab dabei sollte die Systemrelevanz sein: Je höher das Risiko, desto intensiver die Regulierung. Die strukturellen Stärken Deutschlands und insbesondere auch das Modell der sozialen Marktwirtschaft dürfen nicht auf´s Spiel gesetzt werden. Und die deutsche Wirtschaft ist nun mal mittelständisch geprägt. Doch ausgerechnet bei diesen Geschäften soll die Eigenkapitalhürde besonders hoch liegen, nicht aber bei hochspekulativen Kapitalmarktgeschäften. Das kann doch nicht richtig sein!
Wir halten es daher für richtig, dass Basel III nicht über eine Verordnung sondern über eine Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wird, um den hiesigen Besonderheiten Rechnung zu tragen.
Ich habe vorhin bereits die Vergabe langfristiger Kredite erwähnt, die wesentlicher Bestandteil unseres Geschäftsmodells sind. Diese Langfristkultur bei der Kreditvergabe hat sich in Deutschland viele Jahre bewährt und den Unternehmen Planungssicherheit gegeben.
Jetzt ist genau diese Kultur aufgrund der neuen Refinanzierungsanforderungen gefährdet. Das kann doch ebenso wenig das Ziel sein, wie das Befeuern von margenstarken risikoreichen Geschäften. Das ist jedoch die Gefahr bei der sogenannten leverage ratio. Denn diese zielt auf den Verschuldungsgrad ab, ohne angemessene Bewertung des Risikos. Insbesondere die Kommunen wären von dieser Regelung massiv betroffen, da margenarme Geschäfte als erste ausgesteuert würden. Bei diesen Themen werden wir uns über unseren Dachverband natürlich noch weiter intensiv in die Diskussion einbringen.
Die Sparkassen-Finanzgruppe in Niedersachsen
Nun noch einige Sätze zur Sparkassen-Finanzgruppe. Ich gebe zu, dass im Landesbankensektor noch einiges im Argen liegt. Aber man muss auch anerkennen, dass es Landesbanken, wie die NORD/LB gibt, die relativ gut und ohne staatliche Kapitalmaßnahmen durch die Krise gekommen sind. Sparkassen haben bei den Landesbanken bereits Verantwortung übernommen und erhebliche finanzielle Beiträge erbracht. Ein derartiges Engagement können wir bei den Aktionären der Privatbanken im Übrigen nicht feststellen. Jüngst flossen z.B. durch den Erwerb der DekaBank 2,3 Milliarden Euro von den Sparkassen an die Landesbanken, davon fast 500 Millionen Euro an die NORD/LB. Es ist ein Zeichen der Stärke unserer Organisation, dass diese Transaktion geklappt hat! Wir handeln wohlüberlegt und lassen uns dabei ganz sicher nicht von ein paar pensionierten Landesbankenvorständen in einer sogenannten Streitschrift sagen, wo es langgeht.
Bankenstresstest setzt NORD/LB unter Druck
Der Eifer, mit dem neue Anforderungen und Regeln vorgelegt werden, wird allerdings noch getoppt:
Und zwar mit einem Bankenstresstest der europäischen Bankenaufsicht, der überflüssig ist wie ein Kropf! Die NORD/LB ist eine stabile Bank mit auskömmlichen Eigenkapital-Quoten. Der Stresstest setzt sie allerdings so stark unter Druck, dass sie jetzt zu einer Rekapitalisierung „auf die Schnelle“ gezwungen wurde. Eigentlich sollte der Bankenstresstest Ruhe ausstrahlen, leider ist das Gegenteil der Fall. Offensichtlich muss die neue europäische Bankenaufsicht erstmal ihre Muskeln spielen lassen und uns zeigen, wie stark sie ist. Die NORD/LB wird zu einem Macht- und Kontrollwechsel gezwungen, nachdem sich die Parität zwischen den Ländern und den Sparkassen jahrelang bewährt hatte. Hätte man sich an das aktuelle deutsche und geltende europäische Recht sowie an die Übergangsfristen nach Basel III gehalten, hätten wir dieses Thema ruhig angehen können. So hatte das hingegen ein bisschen was von einer Klassenarbeit, die man lösen muss, ohne die Aufgaben zu kennen, weil der Lehrer sie selbst noch nicht begriffen hat. Dieses schöne Bild stammt im Übrigen nicht von mir, sondern von Herrn Wittkowski, der das Thema Stresstest damit in der Börsenzeitung sehr anschaulich kommentiert hat. Dass der Bund dabei tatenlos oder bewusst zusieht, ist völlig unverständlich. Und gipfelt noch in der Tatsache, dass die Commerzbank, die massiv vom Bund unterstützt wird, den Stresstest bestehen wird. Jetzt wird Herr Blessing von der Presse auch noch gefeiert, weil er die Beteiligung des Staates in den kommenden Monaten reduzieren will. Nachdem er die Hilfe der öffentlichen Hand zwei Jahre nicht verzinst hat.
EU-Einlagensicherungsrichtlinie
Ein besonders wichtiges aktuelles Thema möchte ich noch ansprechen: die EU-Einlagensicherungsrichtlinie. Hier haben wir nicht zuletzt aufgrund des Engagements seitens der Politik zumindest in strukturellen Fragen schon viel erreicht. Die Institutssicherung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken wird voraussichtlich bestehen bleiben. Natürlich freut uns das, aber da stehen immer noch 700 Millionen Euro im Raum.
Dies ist der Betrag, mit dem derzeit allein die niedersächsischen Sparkassen in den nächsten 15 Jahren rechnen müssen, wenn es an die Befüllung des Fonds geht und um den also das Eigenkapital der Sparkassen geschmälert wird. Aber auch diese Herausforderung werden wir genau wie alle anderen angehen und setzen dabei weiterhin auf Ihre Unterstützung. Ich habe hier gerade einiges kritisiert, aber ich möchte sehr anerkennen, dass viele von Ihnen uns bisher stark unterstützt haben. Dies gilt insbesondere für Herrn Ministerpräsident McAllister und Herrn Minister Möllring auf der Bundesebene und Herrn Abgeordneten Balz auf der europäischen Ebene. Aber wir wissen auch, dass wir bei allen Fraktionen des Niedersächsischen Landtags eine breite Unterstützung für den Sparkassengedanken haben. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich und hoffe, dass wir auch in Zukunft so gut und konstruktiv zusammenarbeiten.
Zukünftige Herausforderungen
Wenn wir uns jetzt mit Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit beschäftigen, müssen wir uns fragen, welche Herausforderungen sich für die Sparkassen stellen. Unsere Geschäftspolitik, unsere Beratungsphilosophie und unsere Produktpalette werden auch in Zukunft von dem Gedanken der Nachhaltigkeit geprägt sein. Und unsere Kunden sollen sich gut dabei fühlen.
Es erscheint uns also sinnvoll, die Gedanken des Umweltschutzes sowie des sparsamen Energieverbrauchs und ökologische Bauweisen noch mehr zum Bestandteil unserer Geschäftsphilosophie zu machen. Das gilt für unsere Produkte, unsere Kundenberatung und reicht bis zur Ausstattung unserer Geschäftshäuser. Darüber hinaus bleibt es Bestandteil des Sparkassenwesens, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, Kultur, Sport und soziale Einrichtungen zu fördern und über Stiftungen für eine nachhaltig funktionierende Förderkulisse zu sorgen. Auch der Gedanke der Bürgerbeteiligung wird in den niedersächsischen Sparkassen schon gelebt. So beteiligen einige Sparkassen ihre Kunden bei der Mittelverwendung ihrer Fördergelder.
Darüber hinaus haben wir verstanden, dass die Menschen höhere Ansprüche an ihre Bankberater haben. Daher haben wir unsere Bildungseinrichtungen zielgerichtet mit Angeboten auf diese Anforderungen ausgestattet, damit unsere Mitarbeiter unsere Kunden bestmöglich beraten können. Wir wollen künftig wieder mehr junge Menschen für den Beruf des Bankers begeistern, auch um den demographischen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Zudem brauchen wir maßgeschneiderte Produkte für unsere Privatkunden, die immer älter werden und für die klein- und mittelständischen Betriebe, für die es immer schwieriger wird, eine geeignete Nachfolgeregelung zu finden. In diesen Segmenten werden sich die Sparkassen in Zukunft noch stärker engagieren. Unserem öffentlichen Auftrag und der dezentralen Struktur werden wir auch in Zukunft treu bleiben.
Natürlich verändern die Privat- und Firmenkunden ihre Verhaltensweisen. Auch die immer stärkere Nutzung des Internets, insbesondere bei der jungen Generation und unseren technikbegeisterten Kunden, ist nicht mehr wegzudiskutieren. Für die täglichen Bankgeschäfte sind wir zum Beispiel mit unseren Sparkassen-Apps führend. Sie gehören mittlerweile zu den beliebtesten Mobile-Banking-Apps mit mehr als einer Million Downloads!
Bei den beratungsintensiveren Themen finden unsere Kunden auch weiterhin eine kompetente persönliche Beratung vor Ort. Denn nur im Gespräch können wir den Kunden Wirkungsweisen, Chancen und Risiken transparent und verständlich machen. Dass Veränderungen nicht nur Risiken sondern vor allem auch Chancen bedeuten, zeigt uns sehr deutlich der ganze Bereich Social Media. Auch hier wollen wir in Zukunft mit dabei sein. Denn so haben wir die Möglichkeit, ganz direkt mitzuverfolgen, was die Kunden an den Sparkassen schätzen und wo etwas verbessert werden kann. Eins steht dabei fest: Die Menschen sind und bleiben das Zentrum unseres Geschäftsmodells. Damit bin ich am Ende meiner Ausführungen und hoffe, dass Sie heute interessante und vielfältige Vorträge hören konnten.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
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Nachhaltigkeit schafft Zukunft
Rede Thomas Mang anlässlich des 2. Sparkassentages Niedersachsen
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