Sparkassen-Tourismusbarometer 2013: Niedersachsen braucht Strategie im Tourismus

Regionen benötigen Kompass und Prozess für Innovationen | Drei Inseln mit guten Ideen | Gastgewerbe positive Ausnahme | Auslandsgäste bringen Wachstum

05.06.2013 – SVN: Pressemitteilung Nr. 4/13

"Mehr Bewusstsein und Kultur für Innovationen zu schaffen, ist das Gebot der Stunde." Mit diesen Worten hat Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen, das Hauptthema des neuesten Sparkassen-Tourismusbarometers umrissen. "Innovationen sind mehr als nur eine gute Idee", betonte Mang bei der Vorstellung der umfassenden Analyse, die bereits seit zehn Jahren vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr in München (dwif) im Auftrag des Sparkassenverbandes angefertigt wird. Ziel des Tourismusbarometers ist die kontinuierliche, problemorientierte Beobachtung der Tourismusentwicklung in Niedersachsen und seinen Reisegebieten. Darauf aufbauend werden konkrete Vorschläge erarbeitet.

Niedersachsen mit Steigerungspotenzial

Der neueste tourismuspolitische Bericht der Bundesregierung stellt eine hervorragende Entwicklung im Deutschlandtourismus fest. Das Reiseland Deutschland baute seine Spitzenposition in Europa weiter aus. Mehr als 400 Millionen Übernachtungen wurden verzeichnet. Weltweit wurde 2012 erstmals die Rekordmarke von einer Milliarde Ankünfte durchbrochen. In Niedersachsen ist die Aussicht durchwachsen. Dazu wurde vom dwif erstmals ein Tourismusklimaindex errechnet. Auf der Skala von null bis 200 liegt er bei 119,9. Die Gründe: Tagesreisen stagnieren, die Besucherzahlen der knapp 200 touristischen "Wetterstationen" sind um 1,7 Prozent rückläufig und einige Regionen müssen ihre Angebote zeitgemäßer gestalten. "Vor allem die niedersächsischen Städte konnten bislang vom bundesweit zu beobachtenden Nachfrageboom nicht richtig profitieren - hier schlummern große Potenziale", merkt Dr. Manfred Zeiner, Geschäftsführer des dwif, an. Dennoch legten die Übernachtungszahlen in Niedersachsen leicht zu (plus 1,7 Prozent) und liegen 2012 erstmals über 40 Millionen Übernachtungen.

Prozess für Neuerungen starten und begleiten

Das Land braucht eine eigenständige touristische Innovationsstrategie. "Die Akteure der einzelnen Orte und Regionen benötigen einen Kompass", stellte Mang fest. Die touristischen Akteure fordern auch mehr finanziellen, personellen und strukturellen Spielraum, um überhaupt Neues schaffen zu können. Mang richtete aber den Blick auch auf die vielen guten Ansätze, die es bereits gebe. Dabei nannte er die Inseln Juist, die sich als klimaneutrale Insel etabliere, Borkum als erste allergikerfreundliche Insel Europas und Langeoog, Deutschlands erste Fair-Trade-Insel mit zudem herausragender Servicequalität. Doch mit Stückwerk könne niemand mehr im globalen Wettbewerb punkten. Gesellschaftlicher Wandel, Individualisierung und erschreckend kurze Lebenszyklen für touristische Produkte seien auch für die Niedersachsen die Vorgaben für neue Innovationen. Für das Land heißt das: Es muss ein Prozess gestartet und ein Klima geschaffen werden, das die ständige Geburt neuer Ideen begünstigt - Ideen und Alleinstellungsmerkmale müssen verbunden werden.

Niederlande und Polen als Wachstumsbringer

Folgerichtig fordern viele Touristiker ein stärkeres Außenmarketing Niedersachsens, wie die Erhebung des Sparkassen-Tourismusbarometers feststellt. Vor allem Gäste aus dem Ausland (Übernachtungsplus von 4,4 Prozent) seien der dringend benötigte Wachstumsmotor. Als wichtige Quellmärkte für Urlauber, die nach Niedersachsen kommen, nennt das Barometer die Niederlande und Polen sowie Schweden und Dänemark.

Investitionen steigen, Gastgewerbe als positive Ausnahme

Die Investitionen im Tourismus steigen erfreulicherweise in Niedersachsen. Die Investitionsquote stieg im Jahr 2012 um 0,8 Prozentpunkte auf 2,2 Prozent und liegt damit leicht über dem Bundesniveau. Hemmfaktor ist die häufig zu geringe Eigenkapitalausstattung der Betriebe. Mit 4,7 Prozent ist auch die Abschreibungsquote recht hoch. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen im Tourismus ist gestiegen (plus 2,3 Prozent), die Zahl der Abmeldungen gefallen (minus 3,4 Prozent). Das Gastgewerbe ist damit eine positive Ausnahme der niedersächsischen Wirtschaft.

Vom Rennrad bis "Sightjogging"

Bei der Servicequalität und zertifizierten Angeboten erreichen einzelne Regionen Bestmarken, wie etwa die Nordseeküste oder die Lüneburger Heide. Bei eingeführten Labeln im Rad- und Campingtourismus ist Niedersachsen ebenfalls stark. Auch die Zusammenarbeit der TourismusMarketing Niedersachsen mit dem ADFC bei "Bett + Bike Sport" im Harz für Radrennfahrer und Mountainbiker ist innovativ. "Sightjogging" wird im Tourismusbarometer als gute Idee für eine neue Art der Stadtführung gelobt. Dabei joggt der Urlauber unter Anleitung zu den Sehenswürdigkeiten und erhält dabei Erläuterungen. Auch zum Erkunden der Stadt mit Kutsche oder Fahrrad gibt es neue Angebote, ebenso zum Gesundheitswandern. Der Bericht hebt hervor, dass sich Ostfriesland an 54 Orten mit 100 Partnern und einem bunten Veranstaltungsmix als "Land der Entdeckungen" präsentiert und damit ebenfalls die Strahlkraft erhöht.

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