Sparkassen-Tourismusbarometer 2015: Neue Impulse im Niedersachsen-Tourismus gefragt

Tourismusrekord in Niedersachsen: 40,4 Mio. Übernachtungen, aber weiter Marktanteilsverluste | Freizeitwirtschaft geht gestärkt in den Wettbewerb | Lob für Städte und Gemeinden | Wechselwirkung von Investitionen und Imageplus

03.06.2015 – SVN: Pressemitteilung 5/2015

Dem Rekord an Übernachtungen in Niedersachsen von 40,4 Millionen im Jahr 2014 steht ein Mangel an Investitionen für die Zukunft gegenüber. Das hat Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen, bei der Vorstellung des Tourismusbarometers am Mittwoch in Hannover betont. „Die Wettbewerber ziehen an Niedersachsen vorbei, was die Dynamik angeht“, hob Mang hervor und wünschte sich mehr Ideen, mehr Innovationen und mehr Investitionen in der Tourismusbranche. Während Niedersachsen bei den Übernachtungszahlen um 1,3 Prozent zulegte, lag der Bundestrend bei 3 Prozent Wachstum.

Im Tourismusbarometer heißt es ernüchternd: Die seit Jahren unterdurchschnittliche Nachfragedynamik hat erneut an Fahrt verloren. Dabei war die Saison 2014 lang und sonnig-warm. Zugpferde waren bei den Übernachtungen das Oldenburger Land mit 6,9 Prozent Zuwachs, Ostfriesland (ohne Inseln) mit 5,6 Prozent, die Nordseeküste mit 3 Prozent. Bei den absoluten Zahlen hatte die Nordseeküste die Nase vorn: 218.000 zusätzliche Übernachtungen wurden verzeichnet. Insgesamt trägt vor allem die Entwicklung im Incoming-Tourismus zu der nachlassenden Dynamik bei. Die Erschließung ausländischer Quellmärkte ist ins Stocken geraten und 2014 stagnierten die Zahlen, wohingegen sie in vielen anderen Destinationen weiterhin der Wachstumsmotor sind.

Ideen, die zünden

Um sich im Wettbewerb Gehör zu verschaffen, werden Orte und Regionen aktiv. Norderney, Langeoog und Borkum traten als erste zertifizierte Thalasso-Standorte in Deutschland hervor; die niedersächsische Nordseeküste ist die erste zertifizierte Thalasso-Region Europas. Norderney liefert mit den neuen „WattWelten“ ein Erlebnis für alle Sinne und punktet auch durch die auffällige Architektur mit hölzernen Strömungspfeilern. Der erste Baumwipfelpfad Niedersachsens hat im Harz eröffnet (Bad Harzburg), 100.000 Besucher im Jahr sind zu erwarten. Als Skiwelt Harz kooperieren seit 2014 alle zehn Skigebiete und betreiben gezieltes Marketing. Um den Incoming-Tourismus neu zu beleben, begann die TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) 2015 mit dem Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer eine Kampagne in der Schweiz, die vom Wechselkurs begünstigt wurde. Diese und weitere Highlights und Initiativen sind dringend nötig, um den Tourismus in Niedersachsen wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

Freizeitwirtschaft mit guter Ausgangslage und neuen Impulsen

Wie sieht es bei der Freizeitwirtschaft aus? Bereits seit zwölf Jahren fragt die dwif-Consulting GmbH im Auftrag des Sparkassenverbandes Niedersachsen quer durchs Land „Touristische Wetterstationen“ aller Segmente ab und entwickelt daraus konkrete Vorschläge. 2014 strömten 3,2 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr in die niedersächsischen Zoos, Erlebniseinrichtungen, Thermen, Schlösser u.a.m. Sonderausstellungen, Angebotserweiterungen und Investitionen sowie Veranstaltungen brachten neue Impulse. Ein Blick auf die Entwicklung seit 2009 zeigt, dass sich die niedersächsische Freizeitwirtschaft eine solide Ausgangslage für zukünftiges Wachstum erarbeitet hat. Das Land liegt im Wettbewerbsvergleich der Küstenbundesländer vorn. Investitionen und Innovationen zeigen Wirkung, erhöhen aber auch den Wettbewerbsdruck im Land, denn die vorhandene Nachfrage teilt sich auf immer mehr Einrichtungen auf.

Rahmenbedingungen dämpfen die Stimmung trotz verbesserter Kostensituation im Gastgewerbe

Die Kostenbelastung der Betriebe hat sich nach Daten des Sparkassenverbandes Niedersachsen entspannt. In Niedersachsen – wie auch in vielen anderen Regionen Deutschlands investieren die Betriebe gleichzeitig immer mehr Geld in ihr Personal, wohingegen die Kosten für den Wareneinkauf, gemessen am Anteil des Umsatzes, sinken. „Damit gewinnt der Service, der jetzt schon wichtig ist, noch mehr an Bedeutung“, machte Dr. Manfred Zeiner, Geschäftsführer des dwif, klar. Eine moderate Preisanhebung sei zielführend, um den Betriebserfolg langfristig zu verbessern. Zeiner wies auch deutlich auf die Hemmnisse hin, die die Zukunftserwartung der Branche deutlich verschlechtert hätten: steigende Arbeitskosten, zunehmende Bürokratisierung und der Fachkräftemangel. Jeder sechste Ausbildungsplatz im Gastgewerbe bleibt in Niedersachsen schon jetzt unbesetzt. Aktivitäten zur Steigerung der touristischen Qualität sowie der Standort- und Lebensqualität laufen so immer stärker zusammen. „Branchenverbände, Unternehmen und Politik sind hier gemeinsam gefordert“, resümiert Zeiner.

Aufgaben liegen bei: Qualität, Gästezufriedenheit, neuen Quellmärkten

Die Hemmnisse umreißt Zeiner klar: „Niedersachsen darf sich in puncto Qualität nicht weiter abhängen lassen, auch bei der Gästezufriedenheit ist noch deutlich Luft nach oben.“ Ebenso mache ihm der spürbare Rückgang an klassifizierten Ferienhäusern und Ferienwohnungen Sorgen. Auch liege der Anteil ausländischer Gäste in Niedersachsen nur halb so hoch wie in Deutschland (17,8 Prozent). Da der Inlandsmarkt endlich ist, tun Impulse von außen dringend Not, stellt Zeiner fest.

Investitionen sind die Stellschrauben für Innovation und Wettbewerb

„Investitionen im Tourismus und ihre Wirkung“ lautet der Schwerpunkt des diesjährigen Tourismusbarometers des Sparkassenverbandes Niedersachsen. „Investitionen sind die entscheidenden Stellschrauben für Innovationen, Qualitätssicherung und Wettbewerbsfähigkeit“, stellte Mang fest. „Sie sind der Schlüssel für die touristische Entwicklung in Niedersachsen.“ Klein- und mittelständisch geprägte Betriebe sind das Rückgrat der Tourismuslandschaft. „Aber 60 Prozent der niedersächsischen Betriebe können die notwendigen Investitionen nicht umsetzen“, warnte Dr. Manfred Zeiner, Geschäftsführer des dwif. Die Befragung seines Unternehmens habe gezeigt: 69 Prozent im Gastgewerbe und 84 Prozent der Freizeiteinrichtungen würden gern mehr investieren, ihnen fehlen aber die Eigen- und Fremdmittel oder Fördergelder. Insbesondere die Betriebe des Gastgewerbes leiden unter dem schlechten Ruf der Branche und haben zu wenig Eigenkapital. Dabei brauchen etwa 38 Prozent der Betriebe weniger als 100.000 Euro, um wettbewerbsfähig zu werden. Bei den kleineren Investitionen bringen das Gastgewerbe (rund 69 Prozent) und die Freizeiteinrichtungen (rund 48 Prozent) große Teile des Kapitalbedarfs über Eigenkapital auf. Bei großen Investitionen setzt das Gastgewerbe stärker auf Fremdkapital, während bei den Freizeiteinrichtungen ohne Fördermittel größere Investitionen in Niedersachsen nur schwer zu realisieren sind. „Wenn aber investiert wird, dann in die Substanzerhaltung (zu 72 Prozent im Gastgewerbe), nicht aber in neue Ideen und Kapazitätserweiterung“, sagte Zeiner.

Was Städte und Gemeinden leisten

Städte und Gemeinden in Niedersachsen sind nach Auffassung des Chefs des Sparkassenverbandes für ihr Engagement der vergangenen Jahre bei Investitionen in die Infrastruktur zu loben. „Die positive Wirkung der Investitionen in den Kommunen schlägt voll durch“, betonte Mang. Die Städte und Gemeinden im Land hat das dwif befragt, und zwar zu ihren Investitionen in die Freizeit- und Tourismusinfrastruktur.

Messbare Erfolge sind schon abzulesen: Die befragten Kommunen berichten von einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit, einem verbesserten Image und einer gestiegenen Zufriedenheit der Gäste. Zudem können sie von mehr Tagesgästen, mehr Einnahmen, mehr Neuansiedlungen und der Stärkung der Nebensaison berichten.

Neue Förderperiode beginnt

Die Förderung für touristische Infrastruktur durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr löste von 2008 bis 2014 rund 318,4 Millionen Euro an Investitionen aus, bei einem Fördermittelanteil von etwa 45 Prozent. Das Geld floss in Wegeinfrastruktur, wozu die Ausschilderung von Rad- und Wanderwegen gehört, sowie in die Gesundheits- und Kurinfrastruktur. 2015 beginnt die neue Förderperiode, wobei die EU weniger Geld gibt als in den Vorjahren. Dennoch ist absehbar, dass touristische Infrastruktur in Niedersachsen weiterhin förderfähig sein wird. Gefördert wird jedoch nur in den Gebieten, in denen der Tourismus wesentlich zur Entwicklung beiträgt. Dabei ist es wichtig, dass die Maßnahmen in eine mittel- bis langfristige Strategie eingebettet sind und das regionale touristische Konzept zur Strategie des Landes passen muss.

Kleinere Betriebe kommen leichter an Förderung

Die Mindestinvestitionssumme ist jetzt verringert worden, daher haben nun auch kleinere Betriebe Zugang zu Fördermitteln. Im Fokus der Förderung stehen die Schaffung von Arbeitsplätzen und vor allem Qualitätsverbesserungen. Wichtig: Reine Sanierungsmaßnahmen sind nicht förderfähig. Wichtig ist es nach Aussage des Präsidenten des Sparkassenverbandes Niedersachsen, dass öffentliche Hand und Privatwirtschaft partnerschaftlich investieren. Dann beginnt ein Zyklus, der zu Neuerungen führt und wieder mehr Geld in die Kassen spült. „Geld muss dringend investiert werden für Qualität und für Neuerungen“, hob Mang hervor. „Dann kommen die Gäste, dann profitieren alle, und vor allem auch die Gemeinden.“

Gelungene Wechselwirkungen auf Norderney und in Goslar

Zwei Fallbeispiele veranschaulichen die Wechselwirkung von Investitionen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft. Das Inselloft auf Norderney – mit einem Investitionsvolumen von 12 Mio. Euro wurde ein bestehendes Hotel komplett umgestaltet und auf ein deutlich höheres Qualitätsniveau gehoben. Zu dem innovativen Konzept gehören auch ein Restaurant, eine Bäckerei und ein Design-Laden, die auch von den Einheimischen genutzt werden. Das Ergebnis: Die Zimmerauslastung liegt jetzt bei 80 Prozent und 20 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen Die Inhaber des Hotels sind zufrieden, weil die Kommune in zusätzliche Angebote im Umfeld investierte, wie Therme und Konzerthaus. Die Gemeinde wiederum profitiert von den zusätzlichen Steuereinnahmen durch das Inselloft, und dessen Beitrag zur Imagesteigerung Norderneys.

Zweites Beispiel: Hotel Walpurgishof in Goslar-Hahnenklee – Investition in stillgelegten Hotelbetrieb von 3,8 Mio. Euro, profilloses Drei-Sterne-Hotel zum gefragten Wellness-Hotel mit vier Sternen entwickelt, Umsatz und Zimmerauslastung in einem Jahr verdoppelt, weitere Neuerungen stehen bevor: Wellnessbereich vergrößern sowie weitere Zimmer und das Restaurant neu gestalten. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Goslar unterstützte die lokalen Unternehmen und Investoren intensiv bei der Erschließung von Fördermitteln.

Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen, und Dr. Manfred Zeiner, Geschäftsführer der dwif-Consulting GmbH, stellten in Hannover die Ergebnisse des Sparkassen-Tourismusbarometers 2015 vor
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