Thomas Mang: Jahrespressegespräch 2016

01.03.2016 – Rede des Präsidenten des Sparkassenverbandes Niedersachsen Thomas Mang anlässlich des Jahrespressegesprächs am 01.03.2016 in Hannover

- Es gilt das gesprochene Wort! -

 

Meine sehr geehrten Damen, meine sehr geehrten Herren,

im Namen meines Kollegen, Günter Distelrath, und auch von meiner Seite heiße ich Sie herzlich Willkommen zum Jahrespressegespräch des Sparkassenverbandes Niedersachsen. 

Was haben wir heute im Angebot?

1. Eine Beschreibung der Ausgangslage für die Finanz- und Bankenwelt.
2. Die Ergebnisse des Jahres 2015 der Sparkassen in Niedersachsen.
3. Wie gehen die Sparkassen mit den Herausforderungen um?

Womit haben wir es momentan in der Finanz- und Bankenwelt zu tun? Wie ist die Ausgangslage für die Sparkassen in Niedersachsen?

Die EZB verteidigt eine Politik ohne Zins – und hält wohl auch noch bis auf weiteres daran fest. Sie setzt dabei auf Konsum und Verschuldung und spricht dem Sparen die Bedeutung ab. In Deutschland gab es immer einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen sparen auf der einen und investieren auf der anderen Seite. Dadurch war die Finanzierung der Wirtschaft stets gewährleistet. Eine Politik niedriger Zinsen oder sogar negativer Zinsen bringt nicht nur Sparer ins Schwitzen, sondern auch einlagenstarke Kreditinstitute, Lebensversicherer, Altersvorsorgeeinrichtungen und Stiftungen. Zusätzlich verliert der Zins seine Signalwirkung, weil Risiken nicht mehr richtig bepreist werden. Im Übrigen wächst die Gefahr von Altersarmut für die Menschen, wenn die Systeme der privaten und betrieblichen Altersvorsorge nicht mehr funktionieren.

Das alles wird garniert mit einem regulatorischen Overkill. Dadurch wird der Wettbewerb in der Finanzwirtschaft immer mehr ausgehebelt und man fördert eine Monokultur der Geschäftsmodelle, was nach unserem Gefühl auch darauf zielt, die gewachsene Struktur der deutschen Kreditwirtschaft anzugreifen.

Wir stellen dabei auch fest, dass auf europäischem Parkett mit allen Tricks gearbeitet wird. So versucht beispielsweise der italienische Ministerpräsident, sein Bankensystem für die Staatsfinanzierung zu erhalten und gleichzeitig Stimmung gegen Deutschland zu machen. Gleichwohl ist aus unserer Sicht die Bankenunion mit der zentralen Bankenaufsicht, der Bankenabwicklung sowie einer Einlagensicherung mit getrennten Töpfen durchaus schon vollendet.

Zu unserem Erstaunen und zu unserer Empörung wird dennoch daran gearbeitet, die Einlagensicherung in Europa im Sinne einer Haftungsvergemeinschaftung zusammenzuführen. Unsere Institutssicherung, für die wir lange Jahre gekämpft haben, geht nach momentanen Überlegungen völlig und zu Lasten unserer Kunden unter. Und auch Ratschläge der Aufsicht an uns, doch einfach ertragsstärker zu werden, sind wohlfeil.

Denn, was die Regulierung verhindert ist das Eine. Den Rest besorgen die Rechtsprechung und die Politik. Im Ergebnis wird es gerade den Kreditinstituten, die ein sehr ursprüngliches und traditionelles Geschäftsmodell betreiben, schwer gemacht, die notwendigen Erträge zu erwirtschaften. Was relativ selten betrachtet wird sind die Auswirkungen der Bankenregulierung auf die mittelständische Wirtschaft. Hier geht es inbesondere um die langfristige Finanzierung, die durch die derzeitigen Regulierungsvorschläge immer schwieriger wird.

Um einen historischen Rückblick wagen zu wollen, kann man auch sagen, dass zurzeit 500 Jahre Erfahrungen sowie Erfolg im Bankgeschäft auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden. Die goldene Bankregel, die wir als Auszubildende gelernt haben, funktionierte jahrzehntelang, wenn nicht sogar jahrhundertelang, gut. Nun führt die erlebte Krisenentwicklung von Instituten, die diese Regeln nicht mehr angewandt hatten, dazu, dass diese über Bord geworfen sowie mit der Zeit diese Standards ersetzt werden und im Ergebnis alle anderen mithaften müssen.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Das private Immobilienkreditgeschäft ist das risikoärmste Geschäft, was Kreditinstitute machen können. Jetzt kommt die Regulierung mit einer Wohnimmobilienkreditrichtlinie und die Kreditinstitute werden gezwungen, in die Beratung jegliche Wechselfälle des Lebens in der Zukunft einzuarbeiten. Gleichzeitig wird das Geschäft bürokratisch erschwert. Wir fordern einmal mehr - im Interesse unserer Kunden - bei der Regulierung Maß zu halten sowie die Gesamtauswirkungen zu überprüfen, sprich eine Regulierungspause.

Was bedeutet die beschriebene Ausgangslage für die Sparkassen? Das zinsgebundene und kundenorientierte Geschäftsmodell der Sparkassen war stets gut und richtig. Es löst allerdings, vor allem durch die Nullzinspolitik der EZB getrieben, momentan Probleme aus. Das Zusammenwirken der verschiedenen Rahmen- und Marktbedingungen führt dazu, dass wir unser Geschäftsmodell neu justieren müssen, ohne es aber komplett in Frage zu stellen.

Auch wenn die Situation in den Sparkassen vor Ort sehr unterschiedlich ist, haben die Sparkassen Lösungen gefunden, um mit den Herausforderungen umzugehen und sich ordentlich für die Zukunft aufzustellen. Wir werden dazu aus neuen Ertragsquellen schöpfen, auf die Kostenbremse treten und die Möglichkeiten der digitalen Welt in der Marktbearbeitung gezielt nutzen. Dazu gleich mehr.

Nunmehr komme ich zu den Ergebnissen der Sparkassen in Niedersachsen für das Jahr 2015.

Insgesamt sind die Ergebnisse im Jahr 2015 zufriedenstellend. Die Sparkassen haben sich in einem außergewöhnlichen Umfeld gut geschlagen. Gleichwohl können wir mittlerweile an den Zahlen sehen, wo es in den kommenden Jahren schwierig wird. Die Regulierungen, die uns seit einigen Jahren beschäftigen, schlagen sich künftig auch immer mehr in unseren Ergebnissen nieder.

In 2015 ist es in allen Bereichen noch gut gelaufen, vor allem im Kreditgeschäft. Die Unternehmenskredite sowie die Kredite an Privatpersonen wuchsen weiter an, und zwar sowohl bei den Zusagen als auch im Bestand. Wir freuen uns über den Erfolg unserer forcierten Marktbearbeitung. So liegen die Kreditzusagen bei den Unternehmen mit 17,5 Prozent oder 1,2 Mrd. Euro deutlich über dem Vorjahr und stiegen auf 8,3 Mrd. Euro. Auch bei den Beständen der Unternehmenskredite legten die Sparkassen um 1,6 Prozent oder 580 Mio. Euro auf 36,2 Mrd. Euro zu. Das ist ein gutes Zeichen und deutet auf eine hohe Investitionsneigung auf Seiten der Unternehmen hin.

Die Kunden der Sparkassen nutzten abermals die niedrigen Zinsen zum Erwerb von Eigenheimen und investierten stark in Beton. Die Kreditzusagen im Bereich des privaten Wohnungsbaus stiegen um gut 24 Prozent oder rund 1 Mrd. Euro auf 5,2 Mrd. Euro. Die Bestände bei den privaten Wohnungsbaukrediten wuchsen um 4 Prozent oder 1,2 Mrd. Euro auf 29,6 Mrd. Euro. Wenn Sie die beiden Zahlen 36,2 Mrd. Euro und 29,6 Mrd. Euro betrachten, dann sehen Sie, dass wir ein sehr ausgewogenes und intensives Kreditgeschäft auf der Aktivseite bilanzieren.

Bei den Kundeneinlagen verlief das Geschäft etwas differenzierter. Insgesamt stiegen die Einlagen bei den Sparkassen in Niedersachsen um 2,8 Prozent oder rund 2 Mrd. Euro auf 72,4 Mrd. Euro. Getrieben wurde das Wachstum von den Sichteinlagen, die um 9,4 Prozent oder 3,6 Mrd. Euro auf 42,2 Mrd. Euro zulegten. Hingegen waren Spareinlagen, Eigenemissionen und Termingelder rückläufig.

Dass wir unseren Einlagenbestand trotz niedrigster Zinsen sogar ausbauen konnten bedeutet, dass unseren Kunden die Sicherheit ihrer Einlagen sehr wichtig ist und sie den Sparkassen umfassend vertrauen. Ein Blick auf die Bilanzstruktur insgesamt zeigt, dass unsere Sparkassen die Kundeneinlagen nahezu komplett in Kreditgeschäft angelegt haben, was uns eine sehr robuste Ausgangslage verschafft.

Auch das Wertpapiergeschäft lief erfreulich. Der Nettoabsatz war mit knapp 400 Mio. Euro positiv. Die Umsätze legten um 7,4 Prozent auf 8,6 Mrd. Euro zu. Die private Geldvermögensbildung stieg auf 2,4 Mrd. Euro an, getragen von einer starken Nachfrage nach Investmentfonds. Wir haben unseren Kunden sinnvolle Anlagealternativen anbieten können auf der Grundlage eines umfassenden Beratungsangebotes. Das haben unsere Kunden honoriert.

Wie schlägt sich das nun in unseren Büchern nieder?

Die Leistungen der Sparkassen in Niedersachsen verdienen hohe Anerkennung. Sie haben trotz des Druckes auf die Ertragslage sowie steigender Regulierungskosten ein Betriebsergebnis vor Bewertung von rund 920 Mio. Euro erreicht. Mit diesem Ergebnis bewegen wir uns auf Vorjahresniveau und schaffen damit notwendige Reservepolster für kommende Jahre, die wir auch definitiv benötigen werden.

Der Zinsüberschuss liegt mit rund 2,2 Mrd. Euro nahezu genau auf dem Niveau des Jahres 2014. Der Provisionsüberschuss stieg um 36 Mio. Euro auf rund 650 Mio. Euro. Erfreulich ist, dass sich unsere kundenorientierten Vertriebsanstrengungen nunmehr auszahlen. Der Verwaltungsaufwand ist mit 1,9 Mrd. Euro annähernd konstant geblieben, trotz Tarifsteigerungen und Bankenabgabe.

Das Bewertungsergebnis ist mit rund 390 Mio. Euro geringer als im Vorjahr, in einem anhaltend stabilen wirtschaftlichen Umfeld. Das Bewertungsergebnis liegt damit nach wie vor auf einem langjährig geringen Niveau und wird zu einem spürbaren Teil von einer Dotierung der Vorsorgereserven geprägt.

Insgesamt haben es die Sparkassen in Niedersachsen geschafft, die Erträge auf hohem Niveau sowie die Kosten nahezu konstant zu halten. Der Jahresüberschuss der Sparkassen stellt sich auf beachtliche 200 Mio. Euro ein. Der Fiskus kann sich voraussichtlich auf eine Steuerzahlung in Höhe von 230 Mio. Euro freuen.

Kommen wir nun zu den Herausforderungen in der Zukunft und wie die Sparkassen damit umgehen.

Um steigende Kosten zu beherrschen, müssen wir mehr denn je aus neuen Ertragsquellen schöpfen. Auf die Bedeutung der Altersvorsorge bin ich schon vorher kurz eingegangen. Wir werden neben den klassischen Sparprodukten, die sich noch immer hoher Wertschätzung erfreuen, unser Wertpapiergeschäft stärker ausbauen müssen. Dies erfordert Maßnahmen zum Ausbau unserer Beratungskompetenz und ein Bewußtseinswandel bei den Kunden. Zusätzlich werden wir über einen ganzheitlichen Ansatz weitere Wachstumspotenziale im Firmenkundengeschäft und im Versicherungsgeschäft erschließen.

Ergänzend müssen wir ein großes Augenmerk auf die Kosten legen. Denn die Kosten werden aufgrund der steigenden und unberechenbaren Regulatorik immer höher und sind immer weniger von uns zu beeinflussen. Das, was wir tun können, haben wir im Griff. Bei den Sachkosten und den Geschäftsprozessen ist schon Einiges erreicht, aber diese Themen werden uns noch weiter fordern. Allerdings müssen wir uns ebenfalls mit der Zahl unser Mitarbeiter beschäftigen. Auch wenn wir für die Zukunft betriebsbedingte Kündigungen bei Sparkassen in Niedersachsen ausschließen, so kommen wir doch an einem Abschmelzen unseres Personalbestands nicht vorbei. Wir werden uns hierbei die Altersstruktur unserer Belegschaft zu Nutze machen. Prinzipiell sind die Anforderungen an alle Sparkassen in dieser Frage gleich, die Ausgangslage dabei teilweise unterschiedlich. Insofern ist je nach Situation vor Ort zu entscheiden, mit welchem Filialnetz und welcher Personalstärke der Markt künftig bearbeitet wird.

Für die Zukunft ist es deshalb bedeutend, die Möglichkeiten der digitalen Welt als Teil unserer Marktstrategie gezielt zu nutzen. Für uns gilt als Maxime: So wie die Kunden das wollen, so bieten wir das auch an. Wir passen uns also den veränderten Kundenerwartungen an. Dies hat zwei Facetten: Zum einen können wir die Möglichkeiten einer schlanken Abwicklung der Geschäfte zu Kosteneinsparungen nutzen. Zum anderen stehen wir vor der Herausforderung, unsere Beratungskonzeptionen zu einem echten Multikanalangebot auszubauen. Insofern wird das Filialkonzept zugunsten einer echten Kundenbindung unter Einbeziehung der digitalen Medien gezielt aufgewertet.

Wir stellen also unsere Filialen an sich nicht in Frage, sondern richten uns konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden aus. Wir werden noch besser erreichbar, in dem wir die Filialen in der „realen Welt“ mit einer stärkeren Präsenz im Netz unterstützen und ergänzen. Erste Erfolge stellen sich bereits ein. In 2015 tätigten die Kunden der Sparkassen in Niedersachsen fast 1 Mrd. Transaktionen über die Internetfiliale, rund 380.000 Menschen in Niedersachsen nutzen bereits die Sparkassenapp, mit steigender Tendenz. Bei den Bezahlverfahren in der digitalen Welt setzen wir die geballte Kraft der Sparkassen-Finanzgruppe auf Paydirekt. Wir gehen davon aus, dass dieses Verfahren nur mit den Sparkassen Erfolg haben wird. Gleichzeitig freuen wir uns, dass es sich um einen gemeinsamen Antritt der deutschen Kreditwirtschaft handelt.

Wir haben im Zahlungsverkehr hierzulande immer noch die größten Mengengerüste und damit riesiges Potenzial. Darüber hinaus sind wir bei allen Bezahlverfahren der Zukunft dabei und in der Lage, allen Kundenwünschen zu entsprechen. Mit der NFC - Technologie bieten wir einen Standard, den noch kein anderer Wettbewerber am Markt hat. Mittlerweile sind alle SparkassenCards – immerhin 50 Millionen – damit ausgerüstet.

Meine Damen und Herren,

die Sparkassen sind traditionsreiche Kreditinstitute mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell. Von diesem Geschäftsmodell sind wir nach wie vor und auch für die Zukunft überzeugt.

Nach der eingangs beschriebenen Situation gehen die Erträge für alle kundenorientierten Kreditinstitute absehbar zurück. Bei unserer guten Marktdurchdringung, versehen mit ebenso guten Vertrauenswerten unserer Kunden, werden wir die Chancen des Marktes kraftvoll nutzen, wo immer sie sich bieten. Wir hoffen auch, dass wir die regulatorischen Bedrohungen bändigen können.

Die Sparkassen im Flächenland Niedersachsen sind dafür optimal sowie solide aufgestellt und haben bewiesen, dass sie mit den bisherigen Herausforderungen der Niedrigzinsphase gut umgehen können. Gleichwohl haben wir uns in unserer Planung und Geschäftspolitik darauf eingestellt, dass diese Zinspolitik noch einige Jahre so anhalten wird. Dieses Thema ist für unsere Sparkassen beherrschbar. Je länger diese Phase allerdings dauert, desto deutlicher werden die Sparkassen aber auch gegensteuern müssen.

Auch angesichts der zurzeit öffentlich geführten Debatten über Sparkassen sind und bleiben wir aufgabenorientierte Kreditinstitute, die zum Wohle der Kunden in ihrer Region handeln. Ein besseres Geschäftsmodell ist uns bisher noch nicht begegnet.

Jetzt freue ich mich auf Ihre Fragen.
 

 

 

PDF downloaden Zur persönlichen
Pressemappe hinzufügen

Kontakt

Kontakt

Michael Schier
Pressesprecher
Schiffgraben 6-8
30159 Hannover

E-Mail schreiben

Über uns

Sparkassen

Sparkassengeschichten

Engagement

Sparen+Gewinnen

Bildung & Karriere

Presse

nach oben Seite drucken