Thomas Mang: Jahrespressegespräch 2019

28.02.2019 – Rede des Präsidenten des Sparkassenverbandes Niedersachsen Thomas Mang anlässlich des Jahrespressegesprächs am 28.02.2019 in Hannover

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen – auch im Namen meines Kollegen Guido Mönnecke – zu unserem diesjährigen Jahrespressegespräch.

Das Jahr ist noch recht frisch, 2018 noch nicht lange her – daher wollen wir heute Bilanz zum Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres unserer 42 kommunalen Sparkassen ziehen und auch einen kleinen Ausblick auf das aktuelle Jahr geben.

Aktuell belasten politische Unsicherheiten die gesamte Weltwirtschaft. Große Krisenthemen sind mit Wucht in unser Bewusstsein eingetreten und werden noch lange die Agenden in Europa und der Welt bestimmen. Die Fronten zwischen den USA und China sind weiterhin ungeklärt und nicht unproblematisch und bis zum Austritt von Großbritannien aus der EU sind es möglicherweise nur noch wenige Wochen, dafür gibt es aber noch viele ungeklärte Fragen. Auch in Italien, das sich mittlerweile in einer Rezession befindet, ist die Lage nach wie vor ungeordnet und im Mai stehen die Europawahlen an, bei denen ein Erstarken weiterer populistischer Kräfte nicht auszuschließen ist.

Die niedersächsische Wirtschaft ist aktuell stabil, zeigt aber mit einem vorhergesagten BIP-Wachstum für 2018 von 1,0 Prozent eine deutlich abgeschwächte Wachstumsdynamik. Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung in Niedersachsen ist momentan das Baugewerbe mit vollen Auftragsbüchern. Aber auch die Konsumlust der Verbraucher ist ungebrochen.

Ein großes Problem über alle Branchen hinweg bleibt der Fachkräftemangel, der sich als Bremse für so manche weitere Entwicklung erweisen könnte. Und auch politische Entscheidungen in Berlin sind in ihrer Summe wohl immer seltener wirtschaftsfreundlich. Dabei wäre es aus unserer Sicht an der Zeit, auch in der Wirtschaft, vor allem in der mittelständischen Wirtschaft, für Entlastungen zu sorgen. Dies gilt vor allem im Hinblick auf den globalen Wettbewerb.

Meine Damen und Herren,

unsere Sparkassen sind seit jeher verlässliche und starke Partner des Mittelstandes. Daher fordern wir nicht nur für uns selbst, sondern vor allem auch für unsere mittelständische Kundschaft, eine Entlastung von wachsender Bürokratie, steigenden Sozialabgaben, Kosten für die Energiewende und zusätzlichen Steuern. Denn der Mittelstand als Seele unserer Wirtschaft ist uns wichtig, und wir als Sparkassen sind ein Spiegelbild dieser mittelständischen Wirtschaft.

Auch auf unsere Sparkassen warten in 2019 wieder erhebliche Herausforderungen. Einer unserer Dauerbrenner ist die europäische Einlagensicherung. Obwohl wir der Meinung sind, dass es dieser Vergemeinschaftung eigentlich nicht bedarf, kriegen wir dieses Thema nicht vom Tisch. Das politische Interesse aus dem Süden Europas ist einfach zu groß. Mal sehen, wie das weitergeht. Zumindest ist es aber erstmal gut, dass von deutscher Seite aus diverse Voraussetzungen formuliert worden sind.

Etwas besser sieht es aus bei der abgestuften Regulierung. Wir hätten uns zwar eine abgestufte Regulierung für alle Sparkassen gewünscht, aber wir werden auch mit der jetzigen Lösung leben. Wichtig ist allerdings, dass es auch mit Leben erfüllt wird.

Völlig unübersichtlich ist die Lage an der Zinsfront. Denn den Ankündigungen für Zinssenkungen folgen bis auf Weiteres keine Taten. Aus heutiger Sicht wären wir schon froh, wenn die EZB wenigstens die Negativzinsen für unsere Sparkassen wieder aufheben würde. Alleine das hat die Sparkassen in Niedersachsen im vergangenen Jahr 10,3 Mio. Euro gekostet. Im Moment hören wir allerdings eher, dass die EZB in die andere Richtung marschiert und die Geldkanonen wieder auflädt.

Wir kommen also zu dem Schluss, dass sich die Sparkassen und ihre Kunden auf ein weiteres Jahr ohne Zinsen einstellen müssen. Im Ergebnis steigt der Druck auf die Ertragslage unserer Sparkassen weiter an und damit geraten auch die Kosten noch stärker ins Blickfeld.

Im abgelaufenen Jahr haben sich unsere Sparkassen in Niedersachsen achtbar geschlagen, sogar besser, als zu Anfang des Jahres erwartet. Ich komme nun zu den Ergebnissen unserer Sparkassen für das Jahr 2018.

Die Gesamtbilanzsumme unserer niedersächsischen Sparkassen hat sich in 2018 um 3,8 Mrd. Euro auf nunmehr 109,2 Mrd. Euro erhöht (2017: 105,4 Mrd. Euro).

Getragen von einem konjunkturellen Rückenwind, lief das Kreditgeschäft der niedersächsischen Sparkassen weiterhin gut. Im abgelaufenen Jahr machten unsere Sparkassen Kreditzusagen in Höhe von 15,9 Mrd. Euro, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg von 900 Mio. Euro (6,0 Prozent) bedeutet. Der Bestand an Krediten hat sich damit per Ende 2018 um 2,8 Mrd. Euro (3,5 Prozent) auf 81,4 Mrd. Euro erhöht.

Im Firmenkundengeschäft waren die niedersächsischen Sparkassen mit Kreditzusagen von rund 8,9 Mrd. Euro extrem stark unterwegs und konnten ihr Neugeschäft um fast 308 Mio. Euro im Vergleich zu 2017 steigern. Die Neuzusagen lagen mit 3,6 Prozent über denen des Vorjahreszeitraums und zeigen, wie optimistisch unser Mittelstand durch das vergangene Jahr gegangen ist. Der Bestand von Krediten an Unternehmen erhöhte sich damit um 4,6 Prozent (1,8 Mrd. Euro) auf 41,3 Mrd. Euro.

Auch im Kreditgeschäft mit den Privatkunden setzte sich der positive Trend weiter fort. Die Neuzusagen lagen mit 5,1 Mrd. Euro sehr deutlich über dem Wert von 2017 (4,6 Mrd. Euro), womit unsere Sparkassen fast an das Rekordjahr 2015 (Neuzusagen: 5,2 Mrd. Euro) herankamen. Der Bestand an Krediten für Privatkunden erhöhte sich um 3,2 Prozent auf rund 33 Mrd. Euro. Vor allem die gute Beschäftigungssituation und die niedrigen Zinsen kurbelten den Wohnungsbau an, sodass sich viele Niedersachsen den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt haben.

Auf der Passivseite zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Der Zufluss bei den Sichteinlagen war mit 3,5 Mrd. Euro (9,7 Prozent) weiterhin ungebrochen, was uns zeigt: Die Kunden vertrauen ihrer Sparkasse. Damit hatten wir per 31.12.2018 täglich fällige Gelder in Höhe von knapp 54 Mrd. Euro in den Büchern stehen, die 65,4 Prozent der gesamten Kundeneinlagen ausmachten.

Der Bestand an Spareinlagen verringerte sich nur leicht (127 Mio. Euro) auf 25 Mrd. Euro. Termingelder und längerfristige Anlagen konnten wir aufgrund der Zinssituation kaum vermarkten, sodass das Geld häufig auf dem Giro- oder dem Tagesgeldkonto liegenblieb.

Die Krux des Niedrigzinsniveaus war aber gleichzeitig eine Beflügelung des Wertpapiergeschäfts. Hier haben unsere Sparkassen dank engagierter und hochwertiger Beratungen in 2018 erstmals einen Nettoabsatz von über 1 Mrd. Euro erzielt. Das macht im Vergleich zu 2017 (880 Mio. Euro) eine erfreuliche Steigerung von 28,4 Prozent aus. Dies ist umso positiver zu bewerten, wenn man bedenkt, dass die Beratung unter der neuen MiFID-Regulierung nach wie vor nicht immer einfach war und ist.

Ich komme nun zur betriebswirtschaftlichen Seite, also zu dem, was am Ende in den Büchern steht. Auf Grund der bereits beschriebenen Niedrigzinsphase mussten wir beim Zinsüberschuss in 2018 erneut einen Rückgang verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr sank er um 56,4 Mio. Euro auf 1,9 Mrd. Euro (1,81 Prozent der DBS). Im Vorjahreszeitraum machte er noch rund 2 Mrd. Euro aus (1,93 Prozent der DBS).

Die Provisionsüberschüsse hingegen konnten unsere Sparkassen abermals um 20,3 Mio. Euro auf 756 Mio. Euro (0,71 Prozent der DBS) erhöhen (2017: 735 Mio. Euro, 0,72 Prozent der DBS).

Positiv ist, dass es uns gelungen ist, den Verwaltungsaufwand mit 1,8 Mrd. Euro annähernd auf Vorjahresniveau zu halten.

Meine Damen und Herren,

wir hatten in den letzten Jahren bereits ausführlich auf das veränderte Marktumfeld hingewiesen, mit neuen Wettbewerbern, knappen Margen und den Herausforderungen der Digitalisierung. In diesem Umfeld müssen die Sparkassen unter Beibehaltung ihres öffentlichen Auftrags die Betriebswirtschaft im Auge behalten. Als wichtige Orientierungsgröße dient uns dabei die Cost-Income-Ratio – abgekürzt CIR – , die das Verhältnis von Aufwand und Ertrag aufzeigt. Sprich: Wieviel Cent muss ich einsetzen, um einen Euro verdienen zu können?

Mit einer CIR in Höhe von rund 68 Prozent für 2018 sind wir angesichts der Rahmenbedingungen zufrieden. Das Geschäftsmodell der Sparkassen wie auch der Genossenschaftsbanken ist einfach sehr kosten- und personalintensiv, weshalb der richtige Mix aus Erträgen und Kosten noch mehr in den Fokus rückt. Das haben die beiden Verbundgruppen im Gegensatz zu mancher Großbank gut hinbekommen.

Bei dem Mix gibt es aber keinen Königsweg, insofern müssen beide Stellhebel, die Kosten und die Erträge, betrachtet werden.

Auf der Ertragsseite gilt es natürlich, in unserem Kernbereich, dem Kreditgeschäft, weiter zu punkten. Zusätzliche Erträge wollen wir aus den digitalen Angeboten generieren; hierzu gehören auch moderne Payment-Angebote. Denn nach dem erfolgreichen Start von Kwitt und dem Mobilen Bezahlen arbeiten wir auch weiterhin daran, unseren Kunden eine möglichst breite Palette an Bezahlvarianten zur Verfügung zu stellen.

Mit dem Ausbau unserer Online-Filiale zu einer multibankfähigen Finanzplattform haben wir in den vergangenen Monaten außerdem eine sehr wichtige Tür aufgestoßen. Unser Ziel ist es, dass der Kunde in Zukunft alle seine Wirtschafts- und Finanzvorgänge bequem an einem Ort überblicken und managen kann und jederzeit von überall aus die Möglichkeit hat, seine Sparkasse zu kontaktieren.

Digitale Nähe schaffen – das wird in Zukunft ein wichtiger Aspekt sein.

Lassen Sie mich an dieser Stelle ausdrücklich sagen, dass wir uns auch zum Bargeld bekennen und zwar nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch mit Blick auf seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel, zur Vermeidung der Geiselhaft durch die Negativzinsen.

Meine Damen und Herren,

unsere Strukturen passen wir stetig an die veränderten Bedürfnisse und das Nutzungsverhalten unserer Kundinnen und Kunden an. Dazu gehört die Entwicklung neuer digitaler Angebote ebenso, wie die Überprüfung und Optimierung unseres Filialnetzes.

Die Digitalisierung hat aber auch eine große Bedeutung für unsere Arbeitsabläufe. Dabei setzen wir vermehrt auf Standardisierung von Prozessen und Produkten sowie die Vermeidung von Sonderlösungen.

Zurück zu den Zahlen: Unter dem Strich erzielten unsere Sparkassen im Jahr 2018 ein Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von 861 Mio. Euro, das sind 0,81 Prozent der DBS.

Meine Damen und Herren,

ich habe es bereits skizziert: Das Jahr 2018 ist für unsere Sparkassen in Niedersachsen ordentlich gelaufen. Allerdings ist die aktuelle Lage um die NORD/LB eine Herausforderung nicht nur für Niedersachsen, sondern für die gesamte deutsche Sparkasse-Finanzgruppe. Weil eine Kapitalerhöhung der Träger nicht von der EU-Kommission genehmigt wurde, musste ein anderer Weg gefunden werden.

Die Position der niedersächsischen Sparkassen ist geprägt durch frühere, sehr hohe Kapitalmaßnahmen, eine Verwässerung unserer Anteile im Laufe der letzten Jahre und in jüngster Zeit durch die Abschreibung unseres Buchwertes auf einen Erinnerungswert von einem Euro.

Unter der Federführung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes wurde gemeinsam mit den Trägern der Bank in kürzester Zeit eine Auffanglösung für die NORD/LB entwickelt. Es handelt sich um eine Stützung durch die gesamte deutsche Sparkassen-Finanzgruppe über ihr Sicherungssystem. Sie hat damit gezeigt, wie handlungsfähig sie ist, um ihr strukturelles Fundament zu sichern.

Die Auffanglösung bedeutet einen Kraftakt für alle Beteiligten – und zwar als Beste unter lauter schwierigen Alternativen.

Der Großteil des erforderlichen Kapitals in der Auffanglösung (knapp 2,4 Mrd. Euro) wird durch die Trägerländer der Bank, also Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, aufgebracht. Die verbleibenden gut 1,1 Mrd. Euro kommen aus der Sparkassen-Finanzgruppe. Ein Drittel entfällt dabei auf die Träger-Sparkassen, ein Drittel auf die Sicherungsreserve der Landesbanken und ein Drittel auf den überregionalen Ausgleich der Sparkassenstützungsfonds. Die Betroffenheit der niedersächsischen Sparkassen liegt hier in Summe bei rund 320 Mio. Euro. Etwa 280 Mio. Euro beträgt der Eigenkapitaleinschuss und rund 40 Mio. Euro kommen aus unserem Stützungsfonds. Dieses ist die maximale Belastung der niedersächsischen Sparkassen.

Die entsprechenden Beschlüsse unserer Verbandsversammlung haben wir vor zwei Tagen eingeholt. Die Beschlussfassung erfolgte einstimmig. Wir gehen bei unserer Beschlussfassung davon aus, dass alle Beteiligten ihre Beiträge ungekürzt erbringen. Im Moment wird intensiv an der Ausgestaltung des Geschäftsmodells der NORD/LB sowie an den entsprechenden Genehmigungen, vor allem durch die EU-Kommission, gearbeitet.

Lassen Sie mich abschließend noch einmal sagen, dass wir froh sind, dass sich die Sparkassen-Finanzgruppe in dieser Frage geschlossen solidarisch gezeigt hat und wir optimistisch sind, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Sie haben gehört, dass wir wie immer große Herausforderungen vor uns haben. Was unsere Sparkassen angeht, sind wir aber für die Zukunft optimistisch und setzen auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019.

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Michael Schier
Pressesprecher
Schiffgraben 6-8
30159 Hannover

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